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... ein Album auszupacken, es aufzuschlagen, das Cover zu betrachten, zu erfühlen, die Tracks zu durchforsten, die Songtexte zu lesen. Dann freudig wie ein Kind die Scheibe aus der Hülle zu ziehen, auf den Plattenteller zu legen und sie in ihre kreisende Bewegung zu bringen. Den kaum sichtbaren Staub mit einer Carbonbürste aus den Rillen zu entfernen, den Tonarm zu betrachten, wie er langsam auf die Platte niedersinkt und den ersten Kontakt des Tonabnehmers mit dem schwarzen Vinyl zu hören und für einen kurzen Moment dem leisen Grundrauschen zu lauschen.

Ja, ich bin seit einiger Zeit unter die Vinyl-Wiedereinsteiger geraten (nach über 40 Jahren) - in den letzten Monaten habe ich immer mehr einen Widerwillen in mir empfunden, wenn ich meine Musik gestreamt habe, mich hierhin und dorthin bewegt habe, viel zu schnell und springend, oftmals gar nicht zu Ende hörend. Und zeitgleich mit der Abmeldung von Instagram (wenigstens von einem der trumphörigen Medienmogulen möchte ich nicht mehr tangiert sein) reifte zunehmend der Gedanke: so nicht mehr! und zugleich die Sehnsucht nach der guten, alten Schallplatte. Und nach ein wenig Recherche stand dann auch ziemlich spontan (wie ich manchmal bin) ein Plattenspieler im Wohnzimmer und die nicht mehr vorhandene Plattensammlung beginnt nun wieder zu wachsen.

Es ist wirklich schön, diesen sentimental haptischen Prozess in Gang zu bringen und zu sehen wie die Platte sich dreht und wenn dann die ersten Töne so viele musikalische Erinnerungen triggern oder auch neue Klangwelten entdecken lassen, aus längst vergangener Zeit und natürlich auch aus der Gegenwart.

Noch bin ich dabei, meinem Hirn das über Jahrzehnte angeeignete Hören störungsfreier Musik abzutrainieren und sich nicht vom Knistern und Knacken stören zu lassen, das ab und an sich der Musik beimischt. Aber es gibt ja heutzutage noch das Plattenwaschen, doch das ist eine Insider-Wissenschaft, die ich erst langsam erkunden werde...

und nun lege ich mir am wolkenlosen, zeitumgestellten Sonntagmorgen Ella Fitzgerald auf, die das Song Book von Cole Porter singt, oder doch lieber Joni Mitchell? Oder Crosby Stills & Nash, die Byrds, Nina Simone oder vielleicht Arny Margret... Allein schon das Kramen in den Alben wie sonst auch in meinen Bücherregalen erfüllt fröhlich diesen frühen Tag, der lichtvoll in das Zimmer flutet...

 
  • 18. Feb. 2025

Wer in diesen Tagen an das dekretische Wüten von D. Trump denkt und so auch an staatsdienstliche Massenentlassungen u.ä., der lese auch dies aus den Jahrestagen von Uwe Johnson.

 
  • 5. Feb. 2025

Ob sie mich ansieht, die Weite? Wenn ich in sie hineinschaue, in ihr aufgehe, sie zur Verbundenheit hin begehre?

Ob sie weiß, dass sie bewegt, obwohl sie nur da ist? Und sonst nichts.

Wenn ich ihr nur sagen könnte: du bringst mir Ideen. Und Träume.

Setzt mich in die Tat um und zugleich lässt du mich leise werden.

Und weise manchmal, nur einen Buchstaben tauscht du aus.

Und wenn mein Blick sich löst von ihr, innen, wenn ich an Drohnen denke, an Despoten, die so doch eigentlich gar nicht sein können, an Hunderttausende, die sich zeigen, weil sie Angst haben vor alten Hirngespinsten; dann erschafft sie dieses Durchdringen des Lichts und lässt einen Habicht kreisen, er ruft im leichten Wind.

Manchmal wendet sie sich ab. Dann ist sie müde vom Benutztwerden.

Wenn ich sie dann loslasse, blickt sie sich nochmals um für einen Moment.

Will vielleicht doch wissen, ob ich noch da bin. Und schaue.

 

Autor von Hirnstromern

Matthias Wagner

menschliche würde orthopädie des aufrechten gangs also kein gekrümmter rücken vor königsthronen nimm deine füße unter die arme und lauf cry baby nur der frieden ist es mein sohn wofür wir leben die beherrschung der natur ist gekoppelt an die verinnerlichte gewalt des menschen über den menschen gekoppelt an die gewalt des subjekts über seine eigene natur you can go all around the world trying to find something to do with your life baby when you only gotta do one thing well

Aus Wolkenbruch

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