- 27. Nov. 2024
Hab die Tage zufällig einen kleinen Artikel über die restaurierte Neuauflage des Kult-Konzertfilms Stop Making Sense (Live-Auftritte von drei Abenden im Pantages Theater in Hollywood) gelesen und ich war sofort in Erinnerung schwelgend animiert, mir diesen Film nochmals anzuschauen. In meinen ersten Freiburger Jahren saß ich 1983 mit meinen Freunden groovend im Kino Roxy eines nahegelegenen Städtchens (dort hatte man Nischen, in denen man essen, trinken und rauchen konnte, ganz hinten war eine langgezogene Bar) und ich war begeistert über diese movige Power des genialen David Byrnes und seiner gesamten Truppe Talking Heads und über die hervorragenden Songs, die treibend in Körper und Seele Energie freisetzen. Und auch jetzt, da ich mir diesen Film gerade nochmal anschaue, schwappt diese Energie und die flammende Musik in mich hinein - nur dass heute auf dem gemütlichen Sofa mehr mein Geist die Bewegungen eines mitfiebernden Körpers übernimmt. Geile Musik, grandiose Band, berauschende Auftritte...
- 26. Nov. 2024
Vor vielen, vielen Jahren, als ich noch jung war, wollte ich unbedingt die Bände der Jahrestage von Uwe Johnson lesen, ein Muss für literarisch Interessierte, dachte ich damals. Das denke ich auch heute noch, so bestellte ich mir vor zwei Jahren einen schönen Schuber mit den vier Bänden - doch sowohl damals, in meiner Endjugendzeit, als auch beim zweiten Versuch kam ich nicht über die Hälfte des ersten Bandes hinaus. Damals zu anspruchsvoll, zu ausufernd, zu fragmentarisch, heute zu viel Zeit und Ausdauer fordernd legte ich das Werk von Johnson beiseite, wohl wissend, dass die Zeit noch kommen wird.

Und nun also der dritte Anlauf - anhand des gelobten Hörbuches, gelesen von Charlie Hübner und Caren Miosga. Und tatsächlich, so geht das mit gut einlesenden Stimmen alles leichter von der Hand oder besser übers Ohr ins Hirn. Und seit einigen Tagen habe ich den ersten Band in Buchform noch dazu geholt und nun höre ich und lese parallel. So ist's tatsächlich noch besser. Ich bin gespannt, in welchem Jahr ich die allerletzte Zeile dieses grandiosen Schriftstellerns hörend und lesend mir einverleiben werde.
- 30. Okt. 2024
Es gibt Phasen, in denen ich durcheinander lese. Meist jedoch, wenn ich ein Buch zur Hand nehme, wird das auch zu Ende gelesen. Ich kann nicht in eine Romanwelt eintauchen und zugleich in einer anderen zugange sein. Nun habe ich aber gerade einige Kurzgeschichten oder Texte auf meinen Lesetischen verteilt, zu denen ich je nach Laune und Muße greife. Zudem hatte ich mich an einem Roman versucht, den ich aber nach etlichen Seiten aus der Hand gelegt hatte (was selten vorkommt), weil ich keinen Bezug zum sich hin und her wendenden Inhalt fand: Die Projektoren von Clemens Meyer, der in diesen Tagen auf irritierende Weise laut schimpfend die Veranstaltung zur Verleihung des Deutschen Buchpreises verließ, als nicht er zum Gewinner ausgerufen wurde. Da lese ich lieber in der Gesamtausgabe der Erzählungen von Katherine Mansfield, die Spaß machen, die einen klarsinnig beobachtenden, phasenweise bissigen und modernen Sound haben, auch wenn sie Anfang des letzten Jahrhunderts geschrieben wurden. Oder in dem zweiten, kleinen Band von Puneh Ansari Hello everybody, der zwar gegenüber ihrem ersten Band mir etwas langweiliger erscheint (vielleicht, weil der Überraschungseffekt ausbleibt, wenn man ihre Schreibe schon kennt), aber der immer noch Spaß macht beim Lesen ihrer meist schrägen, witzigen aber auch poetischen und immer wieder auf eigene, intelligente Art auf den Punkt bringenden Gedanken, die sie wohl so niederschreibt, wie sie in ihrem Kopf herumschwirren ohne den Zensor literarischer Zwänge.
Und da sind auch immer wieder zwischendurch die Alten Wege von Robert McFarlane, die meine Lesepfade kreuzen, und seine eindrucksvollen Wiederentdeckungen der Wildnis, wie er selbst das Ziel seines literarischen Treibens beschreibt. Und letztlich traf ich vor ein paar Tagen in einem Antiquariat auf die gut erhaltenen Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, die ich mir natürlich gleich unter den Arm klemmte, und nach den spannenden und erhellenden Briefwechseln zwischen Bachmann und Frisch, werfen auch diese Briefe für mich neue Lichter auf das Leben von Ingeborg Bachmann.


