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  • 24. Juni 2023

So ist es oft: wenn sich all die erlesenen Seiten dem Ende zuneigen, dann überkommt mich schon die vorfreudige Neugier auf die ersten Seiten des wartenden, noch unaufgeschlagenen Buches. Jetzt, da ich noch eingenommen bin von den Anekdoten und dem Gedankenpotpourri aus Arnold Stadlers Vergangenheit und von all seinen gescheiten Geistesblitzen über das große Leben der Gegenwart - im hohen Bogen von den alten Griechen bis heute zu Greta, die übers Meer nach New York segelt, zwischen Tuttlingen und Ithaka und darüber hinaus, jetzt, da ich diesem sehnsüchtigen, von selbstironischen Altersreflektionen durchzogenen Schreiben noch immer gerne folge, komme ich nicht umhin, schon in einigen Rezensionauszügen des neuen Buches zu schmökern, wie in dieser vom NDR Kultur:  

Heinrich Thies erzählt: "Meine Tante ist ja - bei allem, was außergewöhnlich an ihr ist - keine Ausnahmefigur. Es gibt ja viele Frauen, die während des Krieges über sich hinausgewachsen sind, Großartiges geleistet haben, und denen man es dann auch wenig gedankt hat und die dann ganz schnell wieder in den Hintergrund treten mussten und im Abseits gelandet sind. Auch darum habe ich dieses Buch geschrieben, um meiner Tante und den Frauen, die während der Kriegszeit diese Dinge gemacht haben, meinen Respekt zu bezeugen. Es ist gewissermaßen eine Verbeugung vor meiner Tante."

"Alma und der Gesang der Wolken" ist das Gemälde einer Zeit, ihrer Moral und Unmoral, ein Gemälde der Lüneburger Heide, die vom Menschen geprägt wurde und die Menschen prägt, die in ihr leben. Es ist eine Reise durch die Zeit und über Kontinente, die sich nachzuvollziehen lohnt.

Dann bin ich mal gespannt...

Nachtrag: Gerade habe ich Stadlers Buch ein letztes Mal zugeklappt und diese letzten Seiten gestalten ein wundervoll leichtes und gehaltvolles Ende, das auch noch nachschwingt, während es nun mit all den anderen Seiten bei den schon lange gelesenen Büchern von Stadler seine Regalheimat gefunden hat. Wie Stadler auf der Fähre vom griechischen Sehnsuchtsort zum italienischen Festland des Nächtens zwischen Gedanken an einen selbstgewählten Tod und dem doch sehr zugeneigten Leben die Sätze findet, die nach all der fast bilanzierenden, privaten und gesellschaftsbeobachtenden Rückschau dem tanzenden Leben nah sein lassen, ist einfach schön. Wie Stadler selbst schließt man die Augen, hört die Wellen des Meeres und den eigenen Atem und das Rauschen der ganzen Welt, die war, die ist und die sein wird.

 

Wir haben es nicht gut gemacht. Viele Menschen werden dies sagen müssen, wenn sie zurückblicken auf eine Ehe, auf eine Partnerschaft. Auch ich könnte diesen Satz nicht nur einmal ver­wenden im Rückblick, wenngleich diese Aussage das Gute ausschließt, ein Gutes, das in jeder Beziehung seinen Platz hat und vielleicht sogar einen Großteil des Zusammenseins ausmacht; doch das Ungute ist mächtig, vor allem wenn es an einem Ende steht, auch in Erinnerung oder gerade in dieser. Meine Gedanken zu diesen außergewöhnlichen, im letzten Herbst veröffentlichten Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch und meine eigenen, niedergeschriebenen Worte dazu, werden, merke ich gerade, letztlich in ihrem Ausmaß den Rahmen eines Blogbeitrags sprengen. Also lagere ich diese Gedanken aus ins Rezensionsabteil hinein. Nach dem Lesen dieser umfangreichsten Edition habe ich nun angefangen, noch einmal in Max Frischs Montauk zu lesen. Und als ich vor einige Tagen zufällig an einem neu eröffneten antiquarischen Buchladen vorüber spazierte und natürlich nicht umhinkonnte zu stöbern, entdeckte ich einer Fügung gleich eine Originalausgabe von Frischs Mein Name sei Gantenbein (mit einer originalen Rezension der Badischen Zeitung von 1964 eingelegt) und Bachmanns einzigen Roman Malina - beide Bücher standen schon während des Lesens der Briefwechsel an erster Stelle meiner Leseliste und liegen nun ganz obenauf an dem Ort der noch zu lesenden Bücher.

Nachtrag: ich habe mir, nachdem ich die Briefe gelesen hatte, nun noch das Hörbuch zugelegt, und als bisheriger Hörbuchmuffel bin ich erstaunt, wie dieser Briefwechsel gewinnt mit dieser Vertonung. Vor allem die literarischen und poetischen Grundtöne in all den Zeilen von Bachmann und Frisch kommen noch einmal mehr zur Geltung, was nicht zuletzt an den sehr gut vortragenden Stimmen von Johanna Wokalek und Matthias Brandt liegt.

 

Autor von Hirnstromern

Matthias Wagner

menschliche würde orthopädie des aufrechten gangs also kein gekrümmter rücken vor königsthronen nimm deine füße unter die arme und lauf cry baby nur der frieden ist es mein sohn wofür wir leben die beherrschung der natur ist gekoppelt an die verinnerlichte gewalt des menschen über den menschen gekoppelt an die gewalt des subjekts über seine eigene natur you can go all around the world trying to find something to do with your life baby when you only gotta do one thing well

Aus Wolkenbruch

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