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Aktualisiert: 27. Sept.
Lese gerade in Christa Wolfs Tagebuchaufzeichnungen Ein Tag im Jahr im neuen Jahrhundert, die sie seit 1960 stets am 27. September verfasst hat - am Ende diesen Tages im Jahre 2004 schreibt sie:
Ein paar Nachrichten sehe ich noch im »Nachtjournal« und muß mich fragen, warum ich nicht endlich meinen Vorsatz ausführe, mich nicht mehr jeden Tag mit diesen Schreckensbildern zu konfrontieren. Es ist Mitternacht. Im Bett lese ich noch ziemlich lange den Anfang des Buches von Barbara Honigmann über ihre Mutter: »Ein Kapitel aus meinem Leben«. Es rührt mich an. Gerd, der es schon gelesen hat, sagt: Wieder ein Beleg dafür, in wieviel verschiedenen DDRen wir damals alle gelebt haben. – Und auch dafür, daß die Vergangenheit nicht tot ist.
Abgesehen davon, dass ich mich in der Gegenwart bezüglich der Nachrichten in zu vielen Medien ebenfalls stets diese Frage stelle, schaue ich während des Lesens die auch für mich immer wieder lebendige Vergangenheit in meinem Privaten jeweils am 27. September der ersten Jahre des neuen Jahrhunderts:
2001 - an diesem Tag kommt eine junge Frau aus Marokko zu uns zur Besichtigung ihres Zimmers für die nächsten 3 Monate im Rahmen eines Sprachkurses. Sie ist freudig aufgeregt, ist sie doch das erste Mal auf Reisen fernab ihrer Heimat.
2002 - habe ich wohl kein Tagebuch geschrieben.
2003 - retten wir uns vor einem Regenschauer ins Kino und schauen Die Rosenstraße von Margarethe von Trotta. Naoko, unsere Sprachschülerin aus Japan, kommt wieder von einem Heimatbesuch geflogen und ist ihre letzte Nacht bei uns. Letztlich bleibt sie noch lange Jahre in Freiburg.
2004 - bin ich wieder im Kino mit einem Freund in Jim Jarmusch's Coffee and Cigarettes, während die USA weiter mit Bombenangriffen den Irak angreift.



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