Manchmal
Manchmal bin ich verzweifelt, wenn ich von diesen Netanjahus, Trumps, Putins dieser Welt lese, von diesen irrsinnigen und widerwärtigen Machtgefügen, die einen schwindlig werden lassen im Gemüt und ohnmächtig. Manchmal bin ich ungläubig über diese Hinwendung der Menschen zu den altbekannten, nicht vergessenen aber vergangen geglaubten, gefürchteten Strukturen von ausgrenzender rechtsradikaler Politik. Manchmal bin ich so unendlich wütend, obwohl ich so gar kein wütendes Wesen in mir trage, wenn ich in Jesmyn Wards Roman So gehn wir denn hinab lese, und nur seitenweise lesen kann über die wochenlangen Märsche der schwarzen Frauen und Männer gebunden an Ketten und Stricken, so hautnah schreibt Ward, dass ich das Buch immer wieder zur Seite legen muss, es nur am Tag lesen kann, nicht am Abend in den Schlaf hinein und nicht am frühen Morgen in den Tag hinein. Und dann bin ich manchmal müde der immergleichen Machterhaltsdebatten und der Auseinandersetzungen im hiesig herrschenden politischen System und in der Sommerhitze sterben mehr und mehr Menschen. Und manchmal kann ich fast nachvollziehen, wie der Mensch plötzlich an der Wahlurne sein Kreuz an der falschen Stelle macht.
Doch dann krame ich in den GoodNews nach hoffnungsvollen Entwicklungen, lese über spannende und lebensbejahende Projekte, über Startups, die über den Tellerand schauen und gestalten, über ein erfolgreiches, zugewandtes Miteinander. Und ich wälze Gedanken mit Freunden und ja, auch mit der KI, über neue oder ergänzende Formen einer lebendigen Demokratie. Und dann lösen sich diese verzweifelten und wütenden und ohnmächtigen Anwandlungen und ich denke und fühle: es bewegt sich, bleib dabei, wir sind auf dem Weg...




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