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  • 20. Juli 2024

Nach dem einen oder anderen dazwischen gelesenen Buch stoße ich in dem dritten Band Frühling des Jahreszeitenzyklus von Ali Smith auf eine Schriftstellerin, die ich zwar vom Namen her kenne, aber über die ich nichts weiß und von der ich noch nichts gelesen habe: Katherine Mansfield. Also wieder: auf geht's: suchen und eintauchen:

Kathleen Mansfield Beauchamp, später bekannt als Katherine Mansfield, wurde am 14. Oktober 1888 in Wellington, Neuseeland, geboren. Sie entstammte einer wohlhabenden Familie und genoss eine privilegierte Erziehung. 1903 zog sie nach London, um dort ihre Ausbildung fortzusetzen. In London besuchte sie das Queen's College und tauchte in die literarische und künstlerische Bohèmszene ein.

Mansfield begann schon früh mit dem Schreiben und veröffentlichte ihre ersten Kurzgeschichten in verschiedenen Zeitschriften. Ihr Schreiben ist durchzogen von psychologischer Tiefe und poetischer Sprache, sie war eine scharfe Beobachterin ihrer Umgebung und eine kritische Stimme gegenüber sozialen Ungerechtigkeiten. Sie selbst litt zeitlebens unter den strengen gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit und kämpfte mit ihrer bisexuellen Identität.

Ihre Geschichten zeichnen sich durch ihre subtile Darstellung innerer Zustände, ihre prägnanten Charakterisierungen und ihre atmosphärische Dichte aus, sie sind modern und zeitlos. Die Werke von Mansfield beeinflussten zahlreiche nachfolgende Schriftsteller, darunter Virginia Woolf und D.H. Lawrence. Sie gilt als Meisterin der Kurzgeschichte und trug zur Etablierung dieser Gattung als eigenständige literarische Form bei.

Mansfields Leben war von Krankheit und persönlichen Schicksalsschlägen geprägt. 1917 wurde bei ihr Tuberkulose diagnostiziert, an der sie 1923 im Alter von nur 34 Jahren in Fontainebleau starb.​

​​Wieder hat Ali Smith eine wohl bemerkenswerte Frau in ihr eigenes Schreiben eingeflochten, eine Frau, die wie Pauline Boty kein langes Dasein leben durfte und die ihr Talent über viele weitere Jahre hinweg nicht auskosten und weiterentwickeln konnte.

Ich auf jeden Fall werde ihr in nicht allzu ferner Zeit meine lesende Beachtung schenken.

 
  • 28. Apr. 2024

Und wieder drängt es mich zum Recherchieren: In Ali Smiths Roman Herbst, in dem ich gerade die letzte Seite umgeblättert habe, spielt Pauline Boty, eine wegweisende Künstlerin der britischen Pop-Art der 1960er Jahre, eine zentrale Rolle. Smith verwebt Botys Leben und Werk gekonnt in ihre fiktive Erzählung und zeichnet ein facettenreiches Bild dieser außergewöhnlichen Frau.

Boty, die 1966 im Alter von nur 28 Jahren an einer Krebserkrankung verstarb, war eine Pionierin der Pop-Art, die mit ihren farbenfrohen und provokativen Werken die Kunstszene ihrer Zeit aufmischte. In ihren Bildern hatte sie sie unter anderem Feminismus, Konsumkultur und die gesellschaftlichen Umbrüche der 1960er Jahre thematisiert.

Smith fängt Botys künstlerischen Geist und ihre Leidenschaft für das Leben einfühlsam ein. Sie zeigt sie als eine Frau voller Energie und Tatkraft, die sich nicht vor gesellschaftlichen Konventionen scheute und für ihre Überzeugungen eintrat.

Zugleich beschreibt Smith auch die Herausforderungen, denen Boty als Künstlerin und Frau in ihrer Zeit begegnete. Sie musste gegen Sexismus und Vorurteile kämpfen und fand letztlich nur wenig Anerkennung für ihre Arbeit.


 

Gerade lese ich im neuen Buch von Haruki MurakamiDie Stadt und ihre ungewisse Mauer. In einer früheren Phase hatte ich all die Bücher von Murakami verschlungen, seine Romane stehen lückenlos in meinem Regal. Dann habe ich ihn wohl aus den Augen verloren oder ich hatte mich an seiner Art zu schreiben etwas satt gelesen. Und letztlich liegt sein letzter Roman auch schon 5 Jahre zurück. Vor einigen Wochen entdeckte ich diesen neuen Roman von ihm in "meinem" Buchladen und natürlich drängte sich die Vervollständigung seiner Werke in meinem Regal ein wenig auf. Nun bin ich wieder versunken in Murakamis Sound der Bedächtigkeit und Gemächlichkeit, der dem Leser eine Muße für Langsamkeit, Wiederholung und Stille abverlangt, und der aber auch, wenn man sich einlässt, immer wieder zu entführen vermag, hinein in eine eigenwillige, die Wirklichkeit immer wieder überschreitende Welt. Doch eigentlich wollte ich hier nur anknüpfen an meinen letzten Blogeintrag und deswegen hier ein paar Zeilen aus dem Roman - am Ende mit einem Link zu einem Stück, das der Protagonist an dieser Stelle hörte:...

Aber an diesem Februarmorgen war es so kalt, dass ich mir nicht den Luxus gönnen konnte, an seinem Grab zu sitzen und Selbstgespräche zu führen. Nach etwa zwanzig Minuten gab ich auf und stieg vorsichtig, um nicht zu stürzen, die spiegelglatte Tempeltreppe hinunter. Wie üblich ging ich zum Aufwärmen in den kleinen Coffeeshop am Bahnhof, trank einen heißen schwarzen Kaffee und aß einen Muffın. Es gab zwei Arten von Muffins, mit und ohne Blaubeeren, aber ich aß immer die mit Blaubeeren. Ich war der einzige Kunde an diesem verschneiten Montagmorgen. Hinter der Theke arbeitete nur die mir bereits bekannte Mittdreißigerin mit den straff zurückgebundenen Haaren. Und wie immer lief leise alte Jazzmusik. Paul Desmond blies sein Altsaxofon. Das erinnerte mich daran, dass bei meinem ersten Besuch hier das Dave Brubeck Quartett mit Desmond als Solist gespielt hatte. »You Go to My Head«, sagte ich zu mir selbst.Die Wirtin, die gerade den Muffin im Ofen aufwärmte, blickte auf und sah mich an.»Paul Desmond«, sagte ich.»Die Musik?« »Ja«, sagte ich. »Der Gitarrist ist Jim Hall.« »Ich habe keine Ahnung von Jazz«, sagte sie entschuldigend und deutete auf den Lautsprecher. »Das ist nur ein Jazzsender über Kabel, den ich eingestellt habe.« Ich nickte. Sie war zu jung, um den Sound von Paul Desmond zu schätzen. Ich nahm einen Bissen von dem warmen Blaubeermuffin, den sie mir serviert hatte, und trank einen Schluck Kaffee. Mit Blick auf den Schnee vor dem Fenster lauschte ich Paul Desmond. Ein wunderschönes Stück.

 

Autor von Hirnstromern

Matthias Wagner

menschliche würde orthopädie des aufrechten gangs also kein gekrümmter rücken vor königsthronen nimm deine füße unter die arme und lauf cry baby nur der frieden ist es mein sohn wofür wir leben die beherrschung der natur ist gekoppelt an die verinnerlichte gewalt des menschen über den menschen gekoppelt an die gewalt des subjekts über seine eigene natur you can go all around the world trying to find something to do with your life baby when you only gotta do one thing well

Aus Wolkenbruch

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