- 29. Dez. 2014

Einiges habe ich gelesen in letzter Zeit oder lese noch: von Herrndorf hervorragend Unvollendetes, gute Erzählungen der jungen Köhler, immer wieder mal die soghaft schönen Atlaskapitelchen bei Ransmayers ängstlichem Menschen und noch nicht zum Ende geschafft das eindringende Dasein um Katja Kettus Wildauge. Wildauge fesselt mich in diesem derben, unauszuweichend direkten Stil des Schreibens, doch da ich meist Abends lese und mich die düsteren Bilder in die Nacht hinein verfolgen, habe ich es in dieser frühdunklen Jahreszeit beiseite gelegt für irgendwann, und dann schaue ich mit gewappneterer Leseseele.
Und dann kam da in den Adventstagen der neue Botho Strauss daher – was für ein schönes, schlichtes, kluges, der eigenen Herkunft zugeneigtes Buch! Bisher war Strauss aus welchem Grunde auch immer an mir vorübergegangen; vor 2 Jahren etwa hatte ich in einem neueren Roman von ihm gelesen, doch ich konnte seinen Gedankengängen nicht folgen und schloss dieses Buch vorzeitig. Nun also Herkunft, und sein Geschriebenes drängt mich seit langem mal wieder zu rezensierenden Gedanken: dort.
- 12. Mai 2014
- 12. Mai 2014

Nachdem ich anschließend an Kindheitsroman und Jugendroman Martin Schlossers Werdegang in Henschels Büchern Liebesroman und Abenteuerroman ausgelassen hatte, wollte ich doch nun wissen, wie es ihm in seiner Studentenzeit erging. War ich nach den ersten beiden Bänden etwas ermüdet von der lakonischen Aneinanderreihung von Zeitgeistbildern, die wohlig identifikationsstiftend zwar Spaß machen, aber nicht wirklich (m)einem literarischen Anspruch an das packende Hineinsacken in die Gefilde eines Romans gerecht werden, habe ich wiederum Bildungsroman, den neuesten Teil der Saga, in kurzer Zeit mit viel Freude gelesen (und deswegen gibt es auch sieben Lindentriebe). Mit dem Erwachsenwerden des Protagonisten und dessen geistiger Reifung wächst auch die Konsistenz (= Beschaffenheit, Zusammenhalt, Geschlossenheit, Stimmigkeit) in Henschels Schreiben. Es huschen nicht nur getriggerte Erinnerungsfetzen vorüber, es entsteht mehr ein Sog, in dem man durchgängig miterleben will, was einst selbst schon gelebt, und man wissen will, wie Martins Dasein sich entwickeln wird.
Hier einige ansprechende Zeilen über Henschels Roman auf Spiegel Online.



